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Lesung gegen das Vergessen

16.05.2022

2022_05_16 Lesung gegen das Vergessen (3)Am letzten Dienstag, den 10.5.2022 lasen acht Altenbergerinnen und Altenberger im Bürgerhaus vor vollen Rängen aus Büchern, die im Jahr 1933 auf den Scheiterhaufen der Nationalsozialisten gebrannt hatten. Eine Gruppe engagierter Einzelpersonen hatte sich nach einem Aufruf in der WN im Februar unter dem Dach des Aktionsbündnisses Demokratie Altenberge und mit Unterstützung durch die Kulturbeauftragte der Gemeinde Altenberge zusammengefunden, um die Gedenkveranstaltung „Gegen das Vergessen – Lesen aus verbrannten Büchern“ in diesem Jahr vorzubereiten.

 

Im Programm standen mehrere Werke von Erich Kästner, dem Autor, der bei der Verbrennung seiner eigenen Bücher „mit der Faust in der Tasche“ sogar zusah, dessen Karriere das Schreibverbot und den Krieg aber weitgehend unbeschadet überstand, und vier Autorinnen, deren literarische Karrieren durch die Nationalsozialisten und durch den Krieg wirkungsvoll zerstört wurden. Ihre Geschichten und Werke sind heute fast vergessen: Das freigeistige Leben von Nina Kaus, die literarischen Themen von Eva Leidmann und Christa Anita Brück und die politische Gesinnung der Alice Rühle-Gerstel waren in der Gesellschaftsordnung der Nationalsozialisten verfemt. Die Protagonistinnen ihrer Romane und Texte waren starke Frauen, die abseits von Haus und Herd eine Karriere wollten, Geschlechterrollen anzweifelten, eine eigene Meinung vertraten oder grandios an der Chancenlosigkeit in einer männerdominierten Gesellschaft scheiterten.

 

Mit-Organisator Uli Schmid erinnerte in seiner Begrüßungsrede daran, was es für Menschen, die leidenschaftlich mit Sprache agierten, bedeutet haben musste, Ihren Beruf nicht mehr ausüben zu dürfen, beobachtet und verfolgt zu werden oder ins fremdsprachige Exil zu gehen. Viele konnten nach dem langen Krieg nicht an ihre Erfolge von damals anknüpfen. Die einzelnen Beiträge der Lesung, die mit viel Herzblut und Können vorgetragen wurden, können auf der Gastseite des Aktionsbündnis Demokratie im Netz unter familienbuendnis-altenberge.de als Audiospur angehört werden. Flankiert wurde die Lesung zu Beginn und am Ende von einem hervorragenden Solo-Saxophonspiel des Musikstudenten Sebastian Baum.  Finanziert wurde die Veranstaltung mit Zuschüssen aus dem Kulturfonds der Gemeinde Altenberge.

 

 

Fotos: Uli Schmid hält die Begrüßungsrede, Sebastian Baum spielt Saxophon, Susanne Opp Scholzen liest aus Erich Kästner: Emil und die drei Zwillinge

 

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